37.1295, Summer Schools: 11. Innsbrucker Winterschool „Potenziale der Angewandten Linguistik“ zum Thema: "Was Sprache zeigt - Indexikalität aus soziolinguistischer, interaktionsanalytischer und gebrauchsbasierter Perspektive" (Austria)
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Tue Mar 31 17:05:01 UTC 2026
LINGUIST List: Vol-37-1295. Tue Mar 31 2026. ISSN: 1069 - 4875.
Subject: 37.1295, Summer Schools: 11. Innsbrucker Winterschool „Potenziale der Angewandten Linguistik“ zum Thema: "Was Sprache zeigt - Indexikalität aus soziolinguistischer, interaktionsanalytischer und gebrauchsbasierter Perspektive" (Austria)
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Managing Editor: Valeriia Vyshnevetska
Team: Helen Aristar-Dry, Mara Baccaro, Daniel Swanson
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Homepage: http://linguistlist.org
Editor for this issue: Daniel Swanson <daniel at linguistlist.org>
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Date: 31-Mar-2026
From: Heike Ortner [pal-germanistik at uibk.ac.at]
Subject: 11. Innsbrucker Winterschool „Potenziale der Angewandten Linguistik“ zum Thema: "Was Sprache zeigt - Indexikalität aus soziolinguistischer, interaktionsanalytischer und gebrauchsbasierter Perspektive"
11. Innsbrucker Winterschool „Potenziale der Angewandten Linguistik“
zum Thema: "Was Sprache zeigt - Indexikalität aus soziolinguistischer,
interaktionsanalytischer und gebrauchsbasierter Perspektive"
Host Institution: University of Innsbruck
Coordinating Institution: Department of German Studies
Website: https://www.uibk.ac.at/de/germanistik/pal/
Dates: 26-Nov-2026 - 28-Nov-2026
Location: Obergurgl/Tirol, Austria
Minimum Education Level: PhD students, Early Career Researchers
Focus: Indexicality
Applied Linguistics
Sociolinguistics
Corpus Linguistics
Language in interaction
Description:
Call for Papers:
https://www.uibk.ac.at/media/filer_public/d5/f5/d5f53970-2dd0-4a91-8af9-b2a85a3a9389/11_winterschool_call_dok_endversion.pdf
Indexikalität bezeichnet in der Linguistik alle sprachlichen und
verkörperten Dimensionen von Bedeutung, die an den konkreten
Gebrauchskontext sprachlicher Zeichen gebunden sind. Neben der
Herstellung pragmatischer Deixis im engeren Sinne (Orts-, Zeit- und
Personendeixis) verweist unser sprachliches Handeln permanent auf
soziale Kategorien und interaktionale Prozesse. Dabei geschieht dieses
Verweisen unweigerlich, wird aber auch bewusst von den
Sprachteilnehmer:innen eingesetzt: zur Selbstpositionierung,
Abgrenzung oder Solidarisierung oder zur Machtdemonstration. In diesem
Sinne zeigt Sprache nicht nur, was wir meinen, sondern auch, wer wir
sind, wo wir stehen und wie wir zueinander stehen – ob vertraut oder
distanziert, sicher oder unsicher, zugehörig oder fremd.
In der elften Innsbrucker Winterschool „Potenziale der Angewandten
Linguistik“ (PAL) widmen wir uns dem übergeordneten Thema
Indexikalität aus verschiedenen Perspektiven, insbesondere – aber
nicht nur – aus soziolinguistischer, interaktionaler und
gebrauchsbasierter Sicht. Forschungsfragen beziehen sich darauf, wie
Indexikalität in wiederkehrenden kommunikativen Praktiken
hervorgebracht und verfestigt wird, wie Sprachverwender:innen durch
konkrete sprachliche Formen Verstehen und soziale Bedeutungen
aushandeln, welche Muster sich im Sprachgebrauch nachweisbar
stabilisiert haben und im sprachlichen Wissen zugänglich sind.
Konzept der Winterschool
Die Innsbrucker Winterschool hat ein doppeltes Ziel: Zum einen wollen
wir den – auch interdisziplinären – Austausch zur linguistischen
Erforschung von Indexikalität fördern und dabei auch besonders die
methodischen Herausforderungen diskutieren, indem wir Linguist:innen
sowie Wissenschaftler:innen aus anderen Disziplinen zu Beiträgen
einladen. Zum anderen will die Innsbrucker Winterschool die Vernetzung
mit Forschenden in einer frühen Karrierephase fördern. Dieser Call
richtet sich daher speziell an Doktorand:innen und
Wissenschaftler:innen in Qualifizierungsphasen, die im genannten
Themenbereich forschen. Sie erhalten die Möglichkeit, am Workshop
teilzunehmen, dort ihre eigene Arbeit in einer Präsentation
vorzustellen und mit allen Teilnehmer:innen intensiv zu diskutieren.
Thematische Schwerpunkte
Wir laden zur diesjährigen Winterschool Beiträge ein, die
grundsätzliche Fragen und/oder Anwendungsbeispiele in Bezug auf das
genannte Thema behandeln. Dabei denken wir insbesondere an folgende
Schwerpunkte, heißen aber auch explizit Erweiterungen sowie Beiträge,
die intersektionale Aspekte behandeln, willkommen.
Verweisen auf und Herstellen von sprachlichen und sozialen Räumen
Aus einer soziolinguistischen Perspektive zeigt Sprache nicht nur
referentiell auf Situationen, sondern auch auf soziale Zugehörigkeiten
und Identitäten, Werte und Ordnungen, indem sie etwa regionale und
soziale Herkunft indiziert, gleichzeitig soziale Zuschreibungen aber
auch erst konstituiert (vgl. das Konzept der Indexical Order von
Silverstein 2003, das Eckert 2008 zum Indexical Field erweitert).
Beispiele für diesbezügliche Fragestellungen:
- Sprachliche Konstruktion von Identität, sozialer Positionierung und
Differenz
- Kollektive Wahrnehmung, Zuschreibung und ideologische Rahmung
sozialer Bedeutung
- Wahrnehmung und soziale Zuordnung von Sprecher:innen zu Regionen
anhand spezifischer dialektaler Merkmale, Bewertung regionaler
Varietäten im Hinblick auf Prestige/Authentizität
- Konstruktion von Geschlechtsidentität durch sprachliche Praktiken
- Aushandlung von Zugehörigkeit zu sozialen Gruppen über sprachliche
Stile
- Indexikalität sprachlicher Formen für Werte, Haltungen und
Lebensstile
- Rolle von Sprache bei der Konstruktion sozialer Differenz und
Hierarchien
- Sprachideologische und sprachenpolitische Indexikalisierungen
Indexikalität in der Interaktion
In der Interaktionsanalyse ist der situative Kontext eine zentrale
Kategorie. Indexikalität bezieht sich hier auf die vielfältigen
Potenziale sprachlicher und multimodaler Formen, in der
Sequenzi-alität von Gesprächen auf Vorheriges zu verweisen und
Kommendes vorzubereiten (Deppermann 2013).
Beispiele für diesbezügliche Fragestellungen:
- Anzeigen von Nähe, Distanz und Rollen mit Höflichkeitsformen und
Adressierungen
- Deiktische Hinweise auf die situative Umgebung (vgl. Stukenbrock
2015)
- Indexikalische Rahmung von verschiedenen Aktivitätstypen wie
Erzählen oder Prüfen
- Verweise auf Regeln, Hierarchien und Erwartungen in institutionellen
Rahmen wie Schule oder Gericht (vgl. Günthner 2009, Imo 2013)
- Zusammenspiel von sprachlichen, prosodischen und gestischen
Ressourcen bei der Herstellung von Kontext
- Indexikalische Funktion von Blick, Gestik usw. für Sprecherwechsel
und Turn-Organisation
- Projektion zukünftiger Gesprächsschritte durch syntaktische und
semantische Muster
- Hervorbringung von sozialer Wirklichkeit und Accountability durch
wiederkehrende sprachliche und multimodale Praktiken und
Interaktionsroutinen
Gebrauchsbasierte Ansätze
In gebrauchsbasierten Sprachmodellen wird davon ausgegangen, dass
Wissen über Sprache – und so auch über Indexikalität – aus Frequenz-
und Kontingenzeigenschaften des sprachlichen Inputs aufgebaut wird und
damit in enger Verbindung zum Sprachgebrauch steht. Dies betrifft
individuelles Wissen über Indexikalität wie auch das in einer
Sprachgemeinschaft Konventionalisierte, die situationsbezogenen
Erwartungen an den Gebrauch (Schmid 2020, Bybee 2010).
Beispiele für diesbezügliche Fragestellungen:
- Korpusanalysen als Methode der Rekonstruktion von Gebrauchswissen
(Korpus-als-Input-Annahme, Stefanowitsch/Flach 2017)
- Sprachvermittlung mithilfe von Informationen über
Gebrauchseigenschaften sprachlicher Mittel (Hyland 2017)
- Korpusstatistisch ermittelte Indizierungspotenziale sprachlicher
Ausdrücke als Kontextualisierungshinweise zweiter Ordnung (Müller
2012, 2015)
- Prozesse der Verfestigung indexikalischer Bedeutungen durch
routinisierten Sprachgebrauch
- Stabilisierung von Erwartungen über angemessenen Sprachgebrauch
- Zusammenhang zwischen Gebrauchshäufigkeit und kognitiver
Verfügbarkeit
- Auswahl sprachlicher Mittel je nach situativem Rahmen (z.B.
öffentlich vs. privat)
- Abhängigkeit sprachlichen Wissens von Nutzung und Aktualisierung im
Gebrauch
Tuition: 120 Euro
Tuition Explanation: Selbstbehalt für Forschende in einer frühen
Karrierephase. Damit sind folgende Leistungen abgedeckt: gemeinsamer
Bustransfer Innsbruck – Obergurgl – Innsbruck, zwei Übernachtungen,
Vollpension, sämtliche Kaffeepausen
Linguistic Field(s): Applied Linguistics
Pragmatics
Sociolinguistics
Text/Corpus Linguistics
Registration Open until 15-May-2026
Apply by Email: pal-germanistik at uibk.ac.at
Registration Instructions:
Präsentationsform im Plenum (20 Minuten Vortrag + 10 Minuten
Diskussion) und vertiefende Diskussionen in Gruppen
Präsentationssprachen: Deutsch, Englisch
Rezeptive Deutsch- und Englischkenntnisse werden vorausgesetzt.
Beginn: Donnerstag, 26.11.2026, ca. 09:00 Uhr Abfahrt in Innsbruck,
13:00 Uhr Beginn in Obergurgl
Ende: Samstag, 28.11.2026, ca. 12:00 Uhr Abreise in Obergurgl, ca.
14:00 Uhr Ankunft in Innsbruck
Hinweise zur Einreichung eines Abstracts
Umfang und Format: max. 300 Wörter als Word-Dokument (einschließlich
Literaturangaben)
Sprache: Deutsch oder Englisch
Per E-Mail an: pal-germanistik at uibk.ac.at
Einreichfrist: 15.05.2026
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