Participles and the General Valency Hypotheses

Hans-Heinrich Lieb lieb at ZEDAT.FU-BERLIN.DE
Mon Oct 15 12:39:12 UTC 2007


Liebe Kollegen,

hier meine Kommentare zu Herrn Noldas Kommentaren.

1. Die Bemerkung zu "GELESEN" ist korrekt, ich hatte vergessen, das zu 
verbessern. Also:

GELESEN = lambda y: y = lambda x x2: (Ex1)(Et)(<x, x1, x2> € u.lesen. & <x, 
t> € Vollendet).

2. t ein Zeitpunkt oder nicht?

Herrn Noldas Beobachtung ist korrekt, aber irrelevant, wie die folgende 
Ergänzung zeigt: "das morgen von ihm zwei Stunden lang gelesene Buch": 
"morgen" und nicht "zwei Stunden lang" ist relevant für die Lokalisierung von 
t, und t ist weiterhin der Vollendenszeitpunkt der (Teil)Handlung.

3. Motivation für den Ansatz von y bei der Bedeutung des Partizipialadjektivs

Die Hauptmotivation ist nicht Übereinstimmung mit der Valenzhypothese (die 
schließlich empirischer Natur ist und nicht zu stimmen braucht), sondern das 
Problem, eine NICHT-VERBALE Bedeutung für das Partizipialadjektiv zu finden, 
also gerade die Einordnung in die Adjektive zu ermöglichen, wobei in sog. 
Partizipialsätzen weiterhin die VERBALE Bedeutung vorliegen soll und 
natürlich die AVH erst dann verletzt sein soll, wenn dies unumgänglich ist 
(aber das ist hier sekundär). Ferner muß diese Bedeutung dem Zusammenhang mit 
dem Passiv gerecht werden. Es ergab sich für mich in diesem Beispiel als 
einzige Möglichkeit der genannte Definitheitsbegriff.

Daß es sich um einen solchen Begriff handelte, lag allerdings an dem 
Beispiel. In Lieb 1992 (Polyfunktionalität des deutschen Vorgangspassivs) 
habe ich allgemein definiert (S. 181):

(11) Def. Es sei b ein n-stelliger Tätigkeitsbegriff.
     werden n (b) = df die Eigenschaft eine Perzeption oder Konzeption zu
                       sein, deren Gehalt {WERDEN n (b)} als Teilmenge
                       enthält, wobei
     WERDEN n (b) = df das Attribut eines (x, x2, ..., xn-1), das darin
                       besteht, das es ein x1 gibt, so daß (x, x1, x2, 
                       ..., xn-1) € ub.

Bei .lesen. ist n = 3. Dies führte bei .gelesen. zu einem 
Definitheitsbegriff.

4. Definitheitsbegriff bei .widmen.?

Herr Nolda wendet ein, daß bei "das mir gewidmete Buch" kein 
Definitheitsbegriff vorliegen dürfe, da mir2 jedenfalls Komplement zu 
gewidmete3 sein müsse.

Der Einwand ist korrekt, aber Herr Nolda gibt selber schon die Lösung an, die 
ich wie folgt übernehme:

GEWIDMET = ABSTR2(sein3(werden4(.widmen.))) = lambda y x3: y = lambda x x2:
(Ex1)(Et)(<x, x1, x2, x3> € u.widmen. & <x, t> € Vollendet)

5. Bewertung der Lösung

Die Lösung ist offensichtlich verallgemeinerbar, mit wenigen Modifikationen. 
Daß sie im Hinblick auf die Einordnung von x2 und x3 'hybride' sei, ist kein 
Einwand: Dies ist nämlich eine direkte Konsequenz des Zusammenhangs mit dem 
Passiv! s.o. unter 3.



Mit den besten Grüßen,

Hans-Heinrich Lieb

 

 


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 Prof. Dr. Hans-Heinrich Lieb
 FREIE UNIVERSITÄT BERLIN
 FB Philosophie und Geisteswissenschaften
 Institut für Deutsche und Niederländische Philologie
 Habelschwerdter Allee 45
 14195 BERLIN

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 lieb at zedat.fu-berlin.de
 Sekretariat (030) 838-54233
 www.germanistik.fu-berlin.de/il/lieb.html
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