37.2394, Confs: Sprache und Lobbyismus – Strategische Kommunikation in Politik und Medien (Germany)
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Fri Jul 17 11:05:01 UTC 2026
LINGUIST List: Vol-37-2394. Fri Jul 17 2026. ISSN: 1069 - 4875.
Subject: 37.2394, Confs: Sprache und Lobbyismus – Strategische Kommunikation in Politik und Medien (Germany)
Moderator: Steven Moran (linguist at linguistlist.org)
Managing Editor: Valeriia Vyshnevetska
Team: Helen Aristar-Dry, Mara Baccaro, Daniel Swanson
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Editor for this issue: Valeriia Vyshnevetska <valeriia at linguistlist.org>
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Date: 15-Jul-2026
From: Prof. Dr. Friedemann Vogel [friedemann.vogel at uni-siegen.de]
Subject: Sprache und Lobbyismus – Strategische Kommunikation in Politik und Medien
Sprache und Lobbyismus – Strategische Kommunikation in Politik und
Medien
Date: 10-Jun-2027 - 11-Jun-2027
Location: Siegen, Germany
Contact: Joline Schmallenbach
Contact Email: Joline.Schmallenbach at uni-siegen.de
Meeting URL: https://diskursmonitor.de
Linguistic Field(s): Applied Linguistics; Discourse Analysis;
Pragmatics; Sociolinguistics
Subject Language(s): English (eng, stan1293)
German (deu)
Language Family(ies): German
Submission Deadline: 31-Oct-2026
Gegenstand der Tagung:
Die Kommunikation zwischen Interessengruppen, Mitgliedern der
Parlamente, Regierungen und Mini-sterien, Lobbyismus-Dienstleistern,
zivilgesellschaftlichen Initiativen und der Öffentlichkeit ist
integraler Bestandteil politischer Kommunikation. Sie beeinflusst den
politischen Prozess, die Gesetzgebung und die öffentliche
Meinungsbildung. Die politik- und wirtschaftswissenschaftliche
Forschung hat den Lob-byismus in Deutschland in seiner
demokratietheoretischen, soziologischen und volkswirtschaftlichen
Tragweite weit erschlossen (s. z.B. Speth/Zimmer 2015; Kohler-Koch
u.a. 2022; Polk/Mause 2023; von Winter 2024) und ihn als
hochprofessionalisiertes, netzwerk- und wissensbasiertes Berufsfeld
be-schrieben (Lahusen 2020), in dem Information, Glaubwürdigkeit und
Zugehörigkeit als zentrale Res-sourcen gelten. Dabei zeichnet sich ein
Wandel der Einflusskanäle ab: weg von traditionelleren
Kom-munikationsbeziehungen, hin zu einem informationellen Lobbying
über Gutachten, Stellungnahmen, Statistiken und Studien.
Damit rückt die sprachlich-kommunikative Materialität professioneller
Interessenvertretung (vgl. Schmallenbach 2026) ins Zentrum. Gerade
diese ist jedoch kaum beschrieben, was unter anderem auf das
forschungspraktische Problem des schwierigen Feld- und Datenzugangs
zurückzuführen ist. Auch diskursanalytisch bestehen Lücken: Lobbyismus
als Diskursgegenstand ist geprägt von hoher medialer Aufmerksamkeit,
Skandalisierungspotenzial und großer Bedeutung für die öffentliche
Bewertung des politischen Systems (vgl. z.B. Engels 2019).
Konkurrierende Konzeptionen pluralistischer Interessen-vertretung,
technokratisch-informationeller Politiksteuerung und illegitimer,
machtvoller Einflussnah-me führen im Medien- wie im
Wissenschaftsdiskurs zu definitorischen Deutungskämpfen und
norma-tiven Bearbeitungsversuchen. Die Tagung knüpft damit an das
Programm der Forschungsgruppe Dis-kursmonitor an, strategische
Kommunikation systematisch zu beschreiben und zu ihrer Aufklärung
beizutragen (Vogel 2019; Vogel/Deus 2020; Forschungsgruppe
Diskursmonitor und Diskursinterventi-on 2024).
Für eine empirisch-linguistische Lobbyforschung ist die Zeit besonders
auf bundesdeutscher Ebene günstig: Mit dem Lobbyregistergesetz sind
neue Datenzugänge entstanden. Seit dem 1. Januar 2024 werden
Stellungnahmen und Gutachten, die im Lobbyregister eingetragene
Interessengruppen an po-litische und exekutive Stellen senden, auf der
Webseite des Deutschen Bundestags veröffentlicht. Mitt-lerweile liegen
beinahe 20.000 solcher „Lobbytexte“ vor – ein potenzielles
linguistisches Korpus von bisher nicht erreichter Größe.
Sprachwissenschaftliche Arbeiten mit diesen Daten stehen weitgehend
aus. Die Forschungsgruppe hat diese Daten darum erhoben und stellt sie
der interessierten Forschung in einem strukturierten Korpus zur
Verfügung.
Ziel der Tagung ist ein Austausch über Zugänge, Zwischenergebnisse,
theoretische Modellierung und diskursnormative Positionierung zu
Medien, sprachlichen Zeichen und kommunikativen Praktiken des
Lobbyismus. Folgende Leitfragen möchten wir dabei diskutieren:
- Theoretisch: Wie lässt sich politisches Lobbying aus sprach- und
kommunikationswissenschaftli-cher Perspektive modellieren – als
Textsorten-, Diskurs- und Praxisgefüge?
- Interdisziplinär: Was kann dem bisher vorwiegend politik- und
wirtschaftswissenschaftlich gepräg-tem State-of-the-Art der
Lobbyforschung hinzugefügt werden, wenn die sprachlich-kommunikative
Materialität des Lobbyings ins Zentrum der Betrachtung rückt?
- Gesellschaftlich: Inwiefern können die Sprachwissenschaften zu
wirksamen Regulierungsmaß-nahmen beitragen oder dem im Kontext von
Lobbyismus und Korruption proklamierten Vertrau-ensverlust in das
demokratische System durch Aufklärung und Transparenz entgegenwirken?
Diese Fragen lassen sich auf verschiedene Aspekte und Themen des
Lobbyings beziehen, die wir auf der Tagung gerne berücksichtigen
möchten:
- Textsorten und Muster der Lobbykommunikation: Stellungnahme,
Positionspapier, Brief an Abge-ordnete u. a. – sprachliche
Konventionen, Adressierung, Argumentations- und Framing-Strategien
- Inside- vs. Outside-Lobbying: kommunikative Profile und Strategien
- Korpuslinguistische Erschließung der Lobbyregister-Daten: Methoden,
Annotation, Repräsentativi-tät
- Normtextgenese im Kontext von Lobbykommunikation –
rechtslinguistische Fragen
- Diskurse über Lobbyismus, Korruption und Interessenvertretung –
Deutungskämpfe und ihr histo-rischer Wandel
- Lobbyismus in den (sozialen) Medien
- Mehrebenenperspektive: Lobbykommunikation auf kommunaler, Landes-,
Bundes- und EU-Ebene
- Lobbyistisch umkämpfte Politikfelder (z.B. KI-Regulation,
Sozialstaat, Gesundheitssystem)
- Historische Perspektiven auf Lobbykommunikation
Diese Liste ist nicht abschließend – andere sprach- und
kommunikationswissenschaftliche Anknüp-fungspunkte und Perspektiven
sind ausdrücklich willkommen.
Call for Papers:
Wir bitten um aussagekräftige Vortragsabstracts im Umfang von ca.
300–500 Wörtern (Vortragsdauer 20–30 Minuten mit anschließender
Diskussion). Die Beitragsvorschläge sollten sich explizit auf die oben
skizzierten Leitfragen und/oder Gegenstandsaspekte beziehen und können
sowohl abgeschlossene Projekte vorstellen als auch aus laufender
Forschungswerkstatt berichten. Beiträge sind sowohl von Erfahrenen als
auch von WissenschaftlerInnen in der Qualifizierungsphase herzlich
willkommen!
Interessierten, die für ihren Beitrag das oben genannte
Lobbytext-Korpus berücksichtigen möchten, stellen wir die Daten gerne
auf Anfrage zur Verfügung. Das Korpus umfasst 17.546 Texte (36,5 Mio.
Token; Metadaten: Absender, Empfänger, Datum, Titel,
Legislaturperiode, betroffene Gesetze und mehr) in einem
strukturierten Datenformat.
Bitte senden Sie Ihr Abstract bis zum 31.10.2026 an
Joline.Schmallenbach at uni-siegen.de. Über die Annahme informieren wir
Sie zeitnah nach Ablauf der Frist. Wir planen, die Beiträge zum
Tagungsthe-ma innerhalb eines Jahres nach der Tagung und in einem
Open-Access-Format zu veröffentlichen.
Zur Organisation:
Das Tagungsprogramm wird für die Dauer von zwei Tagen konzipiert, so
dass eine Anreise am Morgen des ersten Tages und eine Abreise am
Nachmittag des zweiten Tages möglich wird. Die Tagung findet in Räumen
der Universität Siegen statt. Teilnehmende unterstützen wir bei der
Organisation von Anreise und Unterkunft.
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